Wer vorübergehend beruflich in einem anderen EU-Staat, im Europäischen Wirtschaftsraum oder in der Schweiz tätig wird, muss vorab prüfen, ob eine A1-Bescheinigung erforderlich ist. 2026 wurden einige Änderungen an den A1-Regelungen beschlossen.

Das Wichtigste im Überblick

  • Nachweis der Sozialversicherung: Die A1-Bescheinigung bestätigt, dass auch bei Geschäftsreisen ins Ausland das Sozialversicherungsrecht des Staates gilt, in dem eine Person normalerweise arbeitet.
  • Prüfung vor Auslandstätigkeit: Bei beruflichen Tätigkeiten im EU-/EWR-Ausland oder in der Schweiz sollte vorab geprüft werden, ob eine A1-Bescheinigung zu beantragen ist.
  • Vermeidung von Doppelversicherung: Die A1-Bescheinigung schützt davor, für denselben Zeitraum in mehreren Staaten Sozialversicherungsbeiträge zahlen zu müssen.
  • Elektronisches Verfahren: In Deutschland erfolgt die A1-Beantragung elektronisch.
  • EU-Reform: Ausnahmen von der A1-Bescheinigung werden für bestimmte Geschäftsreisen und kurzfristige Arbeitseinsätze voraussichtlich ab Ende 2028 gelten.

Was ist eine A1-Bescheinigung?

Die A1-Bescheinigung bestätigt, welchem Sozialversicherungsrecht eine Person während einer vorübergehenden beruflichen Tätigkeit im Ausland unterliegt.

Sie beruht auf den europäischen Regelungen zur Koordinierung der sozialen Sicherheit, insbesondere der EU-Verordnung 883/2004, und soll verhindern, dass Arbeitnehmer, Selbstständige oder Beamte gleichzeitig in mehreren Staaten sozialversicherungspflichtig werden.

Bei einer vorübergehenden Entsendung oder bestimmten grenzüberschreitenden Tätigkeiten kann mit einer A1-Bescheinigung weiterhin das Sozialversicherungsrecht des Heimat- oder Beschäftigungsstaats gelten.

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Für welche Auslandsaufenthalte ist eine A1-Bescheinigung relevant?

Nach aktueller Rechtslage ist eine A1-Bescheinigung grundsätzlich für berufliche Tätigkeiten im EU-/EWR-Ausland oder in der Schweiz relevant. Die Dauer des Aufenthalts ist dabei nicht allein entscheidend. Auch kurze Einsätze können eine A1-Prüfung auslösen.

Typische Anwendungsfälle:

  • Montageeinsätze im Ausland
  • Kundentermine mit fachlicher Leistungserbringung
  • Beratungstätigkeiten beim Kunden
  • Reparatur- und Wartungsarbeiten
  • Messeaufbau oder technische Betreuung
  • Durchführung von Schulungen
  • Transportleistungen durch Berufskraftfahrer
  • regelmäßige Arbeit in mehreren Staaten

Update 2026: EU reformiert die A1-Regeln

Die Europäische Union hat im September 2026 eine Reform der Regeln zur Koordinierung der sozialen Sicherheit beschlossen. Die Reform soll vor allem kurzfristige Geschäftsreisen und kurze grenzüberschreitende Einsätze erleichtern. Gleichzeitig sollen die Vorab-Beantragung und der Informationsaustausch zwischen den Mitgliedstaaten verbindlicher und digitaler geregelt werden.

Für die neuen A1-Regeln gilt allerdings eine Übergangsfrist von 24 Monaten, d. h. praktisch relevant werden sie erst ab voraussichtlich Herbst bzw. Winter 2028. Maßgeblich ist der genaue Zeitpunkt des Inkrafttretens der Änderungsverordnung. Bis dahin gilt die bisherige Rechtslage.

Was ändert sich durch die EU-Reform konkret?

Reine Geschäftsreisen ohne Leistungserbringung

Bestimmte reine Geschäftsreisen sollen in Zukunft von der Pflicht zur vorherigen A1-Beantragung ausgenommen werden. Das gilt aber nur, wenn die Reise ausschließlich im geschäftlichen Interesse des Arbeitgebers erfolgt und im Tätigkeitsstaat (Zielort) weder Dienstleistungen erbracht noch Waren geliefert werden.

Unter die Ausnahmeregelung können künftig beispielsweise folgende Geschäftsreisen fallen:

  • Teilnahme an Meetings und internen Besprechungen
  • Besuch von Konferenzen und Fachveranstaltungen
  • Teilnahme an Seminaren und Schulungen

Der Zweck der Reise ist entscheidend und hier muss genau unterschieden werden: Die bloße Teilnahme an Besprechungen und Konferenzen kann zukünftig unter die Ausnahmeregelung fallen. Wer dagegen selbst eine Schulung gibt oder eine sonstige Leistung für Kunden oder Dritte erbringt, fällt voraussichtlich nicht unter diese Ausnahme und muss weiterhin eine A1-Bescheinigung beantragen.

Drei-Tages-Regelung

Zusätzlich ist eine Ausnahme für kurzfristige Tätigkeiten vorgesehen. Danach soll für Entsendungen von bis zu drei aufeinanderfolgenden Arbeitstagen innerhalb von 30 aufeinanderfolgenden Tagen keine vorherige A1-Beantragung erforderlich sein.

Diese Ausnahme gilt jedoch nicht für den Bausektor. Dort bleiben die Anforderungen strenger. Auch diese Erleichterung gilt nicht sofort. Sie wird erst mit Anwendung der neuen EU-Regeln relevant.

Vorversicherungspflicht

Beschäftigte müssen in Zukunft mindestens drei Monate vor Beginn ihrer Entsendung dem Sozialversicherungssystem des Entsendestaates unterliegen, damit während des Auslandseinsatzes weiterhin dessen Sozialversicherungsrecht angewendet werden kann.

Befristung zunächst auf 24 Monate

Eine erstmalige A1-Bescheinigung nach Art. 13 der Verordnung 883/2004 soll höchstens für 24 Monate ausgestellt werden. Verlängerungen sollen möglich sein, wenn die Voraussetzungen darüber hinaus bestehen bleiben.

Welche Länder kontrollieren besonders streng?

Viele Staaten kontrollieren bei ausländischen Beschäftigten, ob die erforderlichen Unterlagen vorliegen. In der Praxis gelten insbesondere Länder wie Österreich, Frankreich und die Schweiz als kontrollintensiv. Je nach Branche und Einsatzort können aber auch andere Staaten streng prüfen.

Fehlt die A1-Bescheinigung, können je nach Staat unterschiedliche Folgen drohen:

  • Bußgelder
  • Nachforderungen oder Prüfungen zur Sozialversicherung
  • Verzögerungen beim Arbeitseinsatz
  • Zugangsbeschränkungen zu Arbeitsstätten, Baustellen oder Messen
  • zusätzlicher Verwaltungsaufwand für Arbeitgeber

Die Sanktionen richten sich nach dem nationalen Recht des Ziellands. Sie können sich gegen den Arbeitgeber, verantwortliche Personen oder in bestimmten Fällen auch gegen die entsandte Person richten. Arbeitgeber sollten deshalb vorab prüfen, welche Anforderungen im jeweiligen Zielland gelten.

Ist die A1-Bescheinigung vor Reiseantritt noch nicht ausgestellt, kann es sinnvoll sein, zumindest eine Kopie des gestellten Antrags mitzuführen. Das ersetzt die Bescheinigung nicht in jedem Fall, kann aber bei Kontrollen helfen, den laufenden Antrag nachzuweisen.

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Wo wird die A1-Bescheinigung beantragt?

Welche Stelle für die Ausstellung der A1-Bescheinigung zuständig ist, hängt vor allem vom Versicherungsstatus ab. Bei einer Entsendung aus Deutschland ist dies in der Regel die gesetzliche Krankenkasse, bei der der Arbeitnehmer versichert ist. Für privat Krankenversicherte ist grundsätzlich die Deutsche Rentenversicherung zuständig.

Besteht zusätzlich eine Mitgliedschaft in einer berufsständischen Versorgungseinrichtung, ist die Arbeitsgemeinschaft berufsständischer Versorgungseinrichtungen (ABV) zuständig.

So beantragen Sie die A1-Bescheinigung

Bei Arbeitnehmern erfolgt die Antragstellung in der Praxis meist durch den Arbeitgeber. Selbstständige und andere betroffene Personen können den Antrag selbst stellen. Beamte wenden sich üblicherweise über ihre Dienststelle bzw. ihren Dienstherrn an die zuständige Stelle.

Für Arbeitgeber in Deutschland ist das elektronische Antrags- und Bescheinigungsverfahren verpflichtend. Seit dem 01.01.2025 sind alle Anträge innerhalb des A1-Antrags- und Bescheinigungsverfahrens ausschließlich elektronisch zu stellen. Eine Antragstellung per Papier oder Fax ist nicht mehr möglich.

Die Beantragung erfolgt häufig über:

  • ein zertifiziertes Entgeltabrechnungssystem,
  • das SV-Meldeportal oder
  • elektronische Angebote der zuständigen Sozialversicherungsträger.

Vorsicht bei Transitländern

Nicht jede Durchfahrt durch ein anderes Land löst automatisch eine A1-Pflicht aus. Entscheidend ist, ob im Transitland tatsächlich eine berufliche Tätigkeit ausgeübt wird.

Ein Beispiel: Fährt ein Arbeitnehmer mit dem Dienstwagen von Deutschland über Österreich nach Slowenien, um dort an einer Messe teilzunehmen, wird in Österreich in der Regel keine berufliche Tätigkeit ausgeübt. Für den bloßen Transit durch Österreich ist dann regelmäßig keine gesonderte A1-Bescheinigung erforderlich.

Anders kann es bei Berufskraftfahrern sein. Transportiert ein Lkw-Fahrer Waren durch Österreich, gehört die Fahrt durch das Transitland zur beruflichen Tätigkeit. In diesem Fall kann eine A1-Bescheinigung auch für das Transitland relevant sein.

Geringfügige Tätigkeiten wie das Lesen dienstlicher E-Mails oder ein kurzes Telefonat während der Durchreise werden in der Praxis anders bewertet als eine eigentliche Arbeitsleistung im Transitstaat. Im Zweifel sollte der Arbeitgeber den konkreten Fall prüfen.

A1-Bescheinigung bei Abkommensstaaten außerhalb der EU

Für Staaten außerhalb der EU, des EWR und der Schweiz gelten gegebenenfalls Sozialversicherungsabkommen. Dort wird nicht immer eine A1-Bescheinigung ausgestellt. Häufig gibt es eigene Entsende-, Ausnahme- oder Versicherungsbescheinigungen.

Zuständigkeit, Verfahren und Bezeichnung des Nachweises hängen vom jeweiligen Abkommen ab. Auch bei Einsätzen außerhalb der EU kann daher ein Nachweis über das anwendbare Sozialversicherungsrecht erforderlich sein.

Seit 2026 werden Verfahren für Abkommensstaaten zunehmend elektronisch abgewickelt. Arbeitgeber sollten deshalb nicht automatisch von Papierformularen ausgehen, sondern die aktuelle elektronische Antragstellung über die zuständigen Stellen prüfen.

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Fazit

Die A1-Bescheinigung bleibt auch nach der EU-Reform 2026 ein wichtiges Dokument für grenzüberschreitende Arbeitseinsätze. Sie weist nach, welches Sozialversicherungsrecht gilt, und schützt vor Doppelversicherung.

Die Reform bringt Erleichterungen für reine Geschäftsreisen ohne Leistungserbringung und sehr kurze Einsätze. Die neuen Regelungen gelten jedoch erst nach einer Übergangsfrist. Bis zur tatsächlichen Anwendbarkeit müssen Arbeitgeber weiterhin genau prüfen, ob eine A1-Bescheinigung erforderlich ist. Arbeitnehmer sollten sich erkundigen, ob eine A1-Bescheinigung benötigt wird und ob sie bereits beantragt wurde.

FAQ zur A1-Bescheinigung

Gilt die A1-Bescheinigung auch für kurze Dienstreisen?

Ja, nach aktueller Rechtslage können auch kurze berufliche Aufenthalte im EU-/EWR-Ausland oder in der Schweiz eine A1-Bescheinigung erforderlich machen. Die EU-Reform von 2026 sieht Erleichterungen vor. Diese neuen Regeln gelten jedoch noch nicht, sondern voraussichtlich erst ab Ende 2028.

Muss ich eine A1-Bescheinigung auch für Meetings oder Konferenzen beantragen?

Auch bei Meetings, Konferenzen oder Seminaren muss aktuell weiter geprüft werden, ob eine A1-Bescheinigung erforderlich ist. Zukünftig sollen solche Geschäftsreisen, bei denen im Ausland keine Dienstleistung erbracht und keine Ware geliefert wird, ohne Bescheinigung möglich sein.

Was gilt, wenn die A1-Bescheinigung vor Reisebeginn noch nicht vorliegt?

Liegt die A1-Bescheinigung noch nicht vor, kann es sinnvoll sein, zumindest eine Kopie oder einen Nachweis des gestellten Antrags mitzunehmen. So können Sie bei Kontrollen zumindest nachweisen, dass der Antrag bereits gestellt wurde.

Reicht ein digitaler Nachweis oder brauche ich einen Ausdruck?

Das hängt vom Zielland und von der praktischen Kontrollpraxis ab. In vielen Fällen kann ein digitaler Nachweis hilfreich sein. Zur Sicherheit ist es empfehlenswert, die A1-Bescheinigung zusätzlich als Ausdruck oder als gut abrufbare PDF-Datei mitzuführen. Besonders bei Baustellen, Messen, Kundenbesuchen oder Kontrollen vor Ort kann ein schnell vorzeigbarer Nachweis wichtig sein.

Muss für jedes Land eine eigene A1-Bescheinigung beantragt werden?

Bei einzelnen Entsendungen sind grundsätzlich der konkrete Einsatz und Tätigkeitsstaat zu prüfen. Wer regelmäßig in mehreren Staaten arbeitet, benötigt nicht zwingend für jeden einzelnen Einsatz eine neue Bescheinigung. In solchen Fällen kann eine Bescheinigung für gewöhnliche Erwerbstätigkeit in mehreren Staaten sinnvoll sein. Zuständig ist in Deutschland die DVKA beim GKV-Spitzenverband.

Ist eine A1-Bescheinigung für die reine Durchreise erforderlich?

Für eine reine Durchreise ohne berufliche Tätigkeit im Transitland ist in der Regel keine gesonderte A1-Bescheinigung erforderlich. Anders kann es sein, wenn die berufliche Tätigkeit gerade im Transitland ausgeübt wird. Das trifft zum Beispiel auf Berufskraftfahrer zu, bei denen die Fahrt durch das Transitland Teil der beruflichen Tätigkeit ist.

Welche Folgen drohen, wenn die A1-Bescheinigung fehlt?

Die Folgen unterscheiden sich je nach Staat. Möglich sind Bußgelder, Verzögerungen beim Arbeitseinsatz, Zutrittsverweigerungen zu Baustellen, Messen oder Betriebsstätten sowie die Forderung von zusätzlichen Nachweisen durch Behörden. Sanktionen können sich gegen den Arbeitgeber, verantwortliche Personen oder in bestimmten Fällen auch gegen die entsandte Person richten.

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